Sherrie Levine - After Walker Evans
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In den 30er Jahren des 20. Jahrhunderts wurde der Fotograf Walker Evans von der Farm Security Administration (F.S.A.) beauftragt, die Lebensverhältnisse verarmter Landpächter im amerikanischen Süden zu dokumentieren.

Das 1941 erschienen Buch Let Us Now Praise Famous Men war die Folge der Ablehnung des Manuskriptes durch den Verlags wegen angeblicher linksradikaler Tendenzen. Besonders das Porträt einer verhärmten Landarbeiterin ist in der Folge zu einer Ikone künstlerischer Fotografie avanciert.

Da die Aufnahmen keinem Copyright unterlagen, hat die Konzeptkünstlerin Sherrie Levine 1981 in der Galerie Metro Pictures in New York die Ausstellung "Sherrie Levine After Walker Evans« konzipiert. Zu sehen war eine Reihe berühmter Aufnahmen des Fotografen Walker Evans, die Levine aus einem Ausstellungskatalog abfotografiert hatte.

Dies lässt sich als eine Geste der Aneignung verstehen, die jeglichen kreativen Akt zurückweist. Levine reflektiert die Mechanismen des Kunstsystems, die um Begriffe wie Autorenschaft und Originalität organisiert ist, und stellt diese in Frage.

Auch kann die Arbeit als eine Enteignung der Bilder und eine Enteignung der Position innerhalb der um Begriffe wie Kreativität, Expressivität und Originalität zentrierten männlichen Kunstgeschichte gelesen werden.

Die Paradoxien dieses Systems haben auch die Arbeiten Levines eingeholt: Während man die fraglichen Fotografien von Walker Evans vervielfältigen und abbilden kann, sind die Refotografien Levines urheberrechtlich geschützt.

Dies inspirierte im April 2001 den amerikanischen Künstler Michael Mandiberg zu einem Online Art Prank: Er fertigte fotografische Kopien von Sherrie Levines "Re-Fotografien" an und präsentierte sie unter dem Titel aftersherrielevine.com.

Mandiberg beschreibt dies als "(…) an explicit strategy to create a physical object with cultural value, but little or no economic value."

Kendell Bruns schoß dann im Mai 2001 den Vogel ab, mit der Website aftermichalemandiberg.com "to give a greater demonstration of the extent to which media is known in this digital age."

After Walker Evans
After Sherrie Levine
After Michael Mandiberg

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